Wohnprojekt Kierling, Wien
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Ausgangslage
Da Energieeinsparungen im Neubau (mit den relativ hohen, gesetzlich gegebenen Vorgaben) nur mehr in relativ geringem Ausmaß möglich sind, während im Altbau sehr viel höhere Potentiale liegen und der Altbau grundsätzliche ökologische Vorteile bietet, versuchte ich, gemeinsam mit dem Energietechniker Dr. Manfred Bruck (mit dem ich gemeinsam an der Donau Universität unterrichte) Bauträger davon zu überzeugen, dass hochwertige Sanierungen die bessere Lösung als übliche Standardsanierungen sind. Der Bauträger BU-WOG stellte uns einige Bauten zur Bewertung und Auswahl zur Verfügung und unterstützte uns mit einem Studienauftrag, um ein exemplarisches Modell für ein Projekt in Niederösterreich auszuarbeiten. Dieses Beispiel wurde von uns energetisch und finanziell durchgerechnet. Kernpunkt war dabei, dass dies nicht nur eine rein technische Lösung sein sollte, sondern eine gesamtheitliche architektonische Lösung.
Der ausgewählte Bau ist ein seit Juli 1979 genutztes Haus, mit geringer Wärmedämmung und relativ günstigem Oberflächen-Volumsverhältnis (aber nicht vollständig ohne Wärmedämmung und nicht so kompakt wie viele Bauten der 1960er und 1970er Jahre). Es handelt sich jedoch um einen Bau mit Elektro-Fußbodenheizung (und damit extrem hohen Heizungskosten). Der Bauträger hatte bereits eine konventionelle Sanierung, ohne Architekt, mit dem Einbau von Heizkörpern und einer zentralen Gasheizstation, etwas Wärmedämmung, neuen Fenstern und dergleichen durchgerechnet.
Neben den „Energie- und Erhaltungsproblemen“ weist der Bau – da am Hang und ohne Lift - besondere Barrieren für Behinderte auf und es war zu erwarten, dass die geringe architektonische Attraktivität für die Zukunft Vermarktungsprobleme bringen würde.
Das Projekt ist eines einer Serie von drei (mehr oder weniger zeitgleich) bearbeiteten Modell-Sanierungsprojekten, von denen aber nur dieses vor der konkreten Realisierung steht.
Städtebauliche Lösung
Es wird im konkreten Fall die Attraktivität des nördlichen Ausblicks mittels neuer Balkone und Dachaufbauten genutzt. Das durch die Bebauungsbestimmungen definierte Volumen wird durch Aufstockung (mit günstiger Besonnung und attraktivem Ausblick) genutzt. Im Neubau wird die zur Straße vorgeschobene Garagenwand als „Prellbock“ gegen den Straßenlärm und die Dynamik der Straße verwendet. Der neue Lift am Eingang sowie die straßenseitigen neuen Lifte am Altbau und neue große Balkone setzen gemeinsam mit hölzernen Dachaufbauten neue städtebauliche Akzente und werten das Gesamt-Erscheinungsbild auf.
Architekturkonzept
Zunächst stellt die Barrierefreiheit sicher für alle Bewohner eine Qualitätsverbesserung dar. Die vorgesetzten Lifttürme mit der Grünfassade setzten ein selbstbewusstes Zeichen für Erneuerung, Ökologie und Modernität des Gebäudes. Grundgerüste für den individuell wählbaren (und finanzierbaren) Ausbau von Balkonen an der Nordseite (mit sehr attraktivem Ausblick) geben dem Gebäude eine der Bewohnerschaft entsprechende Individualität und schaffen neue Freiräume, die in den meisten Fällen direkt an die Küche angebunden und so gut nutzbar sind.
Die neuen Wintergärten an der Südseite bilden Pufferräume (geringer Wärmeverlust) und können in den oberen Geschossen auch einen Beitrag zur Beheizung liefern. Einfache neue Färbelungen können gemeinsam mit dem bautechnisch guten Gebäudezustand eine attraktive Wohnhausanlage schaffen, die sicherlich auch zu Neubauten konkurrenzfähig sein wird.
Der Ausbau des Dachgeschoßes wurde mit Massivholzplatten vorgeschlagen. Neben den ökologischen Vorteilen bietet dieses System auch den Vorteil geringer Belastung für den Bestand und sehr schnelle Montierbarkeit.
Der Dachausbau erspart Wärmedämm- und Sanierungsmaßnahmen am bestehenden Dach und der Verkauf dieser Wohnungen kann zur Finanzierung der hochwertigen Sanierung des Bestandes beitragen.
Da die Bebaubarkeit des Grundstückes noch nicht ausgenutzt ist, erfolgt eine entsprechende Nachverdichtung. 13 Maisonettwohnungen werden durch zwei Laubengänge erschlossen. Die oberen Maisonetten erhalten ein Dachstudio mit großer Terrasse. Das Sanierungs- und das Neubauprojekt werden über eine gemeinsame zentrale Stiegen- und Aufzugsanlage erschlossen.
Energiekonzept
Um den „Passivhausstandard“ (nach Dr. Feist) zu entsprechen, wird zunächst der Wärmeverlust minimiert: Das Gebäude wird mit 20 cm Vollwärmeschutz gedämmt, erhält neue (Passivhaus-) Fenster. Im Althaus schwieriger als im Neubau zu bewältigende Details erhalten spezielle Lösungen. Um zum Beispiel den Wärmeabfluss aus Wohnungen in den unbeheizten Kellern zu vermeiden, werden Kellerwände außen und innen gedämmt („dämmende Schürzen“). Die Wärmeverluste am Dach werden durch die neuen Aufbauten bzw. sehr gute Terrassendämmung minimiert. Das Erreichen des Passivhausstandards für die Gebäudehülle ermöglicht eine Beheizung über ein - in den vorhandenen Installationsschächten - neu installiertes Belüftungsystem. Was hier - zusätzlich zu den üblichen Vorteilen dieses Systems - auch den Vorteil bringt, dass kein neues Heizungsystem installiert werden muss, um die Elektro-Fußbodenheizung zu ersetzen. Die Luftverteilung erfolgt in einer abgehängten Decke im Sanitärbereich und im Vorraum. Zu den Wohnräumen wird eine staubfreie Kernbohrung durchgeführt, um die Luft über der Tür einzublasen. Stemmarbeiten innerhalb der Wohnräume, wie sie für eine konventionelle, wasserführende Heizung in diesem Fall notwendig wären, können so vermieden werden. Innerhalb eines Projektes, dass vom „Haus der Zukunft“ gefördert wurde, konnten verschiedene Varianten des Belüftungssystems berechnet werden, wobei sich – in diesem Fall – ergab, dass eine Zentrale, solar gestützte Anlage sowohl die Umwelt betreffend als auch finanziell (über 25 Jahre gerechnet) die günstigste Lösung ist. Für Neubauten- und Sanierung (inklusive Dachaufbau) ist nun eine zentrale Lüftungsanlage mit wohnungsweiser Nachheizung (semizentrales System) geplant. Die Wärme sowohl für die Heizung als auch für das Warmwasser, liefert für beide Bauteile eine zentrale Biomasse-(Pellets-) Anlage. Der Variantenvergleich ergab, dass dies sowohl finanziell als auch ökologisch die beste Lösung ist.
Da Hangsicherungen im Bereich des Neubaues durch Rammpfähle (mit ca. 9 Metern Tiefe ins Erdreich) ausgeführt werden müssen, werden diese zum Energiegewinn aus der Erde genutzt. In diese Pfähle einge-legte Wasserschläuche (Energiepfahl) ermöglichen die Vorwärmung der winterlichen Zuluft (insbesondere zur Frostfreihaltung) und für eine gewisse Vorkühlung der Sommerluft.
Abhängig von den Förderbedingungen können Photovoltaikelemente - als Pergolen über den Südterrassen - einen Teil der Stromversorgung und die Sommerbeschattung übernehmen.
Die neuen Wintergärten des Sanierungsprojektes werden in das Belüftungssystem eingebunden (passive Solargewinne) und mit PCM (Phase Change Material) - Putzen ausgestattet (verzögerte Wärmeabgabe).
Ausblick
Durch die umfassenden Sanierungsmaßnahmen ergeben sich jedenfalls enorme Energieeinsparungen (90%), die im gegebenen Fall auch große finanzielle Einsparungen bringen, so dass auch für ökonomisch schlecht gestellte Mieter die umfassende Sanierung ein Gesamtergebnis sehr attraktiv ist.
Auch bei diesem Projekt zeigt sich, dass im Sanierungsbereich jeweils sehr spezifische, eigene Lösungen gefunden werden müssen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Daher sind gerade hier „Architektur“-Lösungen gefragt.
| Projektnummer : | 132 |
| Status : | Baustellen |
| Link : | www.reinberg.net/132 |
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| Bauherr : | BUWOG |
| Planung : | Architekt Georg W. Reinberg, Architekturbüro Reinberg GesmbH |
| Mitarbeiter : | Margit Böck, Rudolf Lesnak, Sabine Bartscherer, Bettina Hartung, Lucie Weissová |
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| Ort : | Kierling, NÖ, Niederösterreich |
| Typ : | Neubau, Zubau, Aufbau, Sanierung |
| Funktion : | Wohnhaus |
| Eigenschaften : | Photovoltaik, Wärmerückgewinnung, Aktive Solarnutzung |
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| Planungsbeginn : | 2001 |
| Baubeginn : | 2012 |
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| Nutzfläche : | 1953 m2 |






