St. Johann/Ternitz II

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Dieses Projekt ist ein typisches Beispiel für mehrere Einfamilienhäuser, die ich – zumeist gemeinsam mit meiner Frau – in dieser Zeit entworfen hatte. Es steht auch für die damalige Suche nach Weiterentwicklung des solaren Bauens: bessere Gläser, höhere Wärmedämmung, eine Optimierung der passiven Solargewinne über automatische Umluftsysteme, der zusätzliche Einsatz von Warmwasserkollektoren. Die Erfahrung mit den Wintergärten gibt nun auch die Möglichkeit, mit den Materialien zu spielen: runde Holzsäulen verbessern den Ausblick aus dem Wintergarten, betonen den Kontrast zwischen den widersprüchlichen Materialien Holz und Glas bzw. lassen (da das Glasauflager nicht mehr direkt sichtbar ist) das Glas „gleichsam verschwinden“ und verstärken so die „Unsichtbarkeit“ dieses faszinierenden Materials. Die Warmwasserkollektoren sind so auf den Wintergarten aufgesetzt, dass sich die darunter befindlichen Abluftöffnungen nach Norden (höhere Temperaturdifferenzen zur Effektivitätssteigerung) öffnen. Das Gebäude selbst ist in vier thermisch unterschiedliche Zonen aufgefächert: - Wintergarten (Sonnensammel- und Beschattungsteil), - Wohnteil, - Serviceteil (Stiegen, Bäder, etc.), - Lagerraum. Dieser Zonierung entspricht auch die Höhenstaffelung, sodass sich das Gebäude zur Sonne hin öffnet und gegen Norden (von hier kommt auch zumeist kalter Wind) verschließt. Durch diese Auffächerung war es auch möglich, die Verglasung des Wintergartens mehr nach Norden zu drehen und gleichzeitig das Gebäude in Richtung des großen Gartens zu öffnen. Die Höhenstaffelung des Gebäudes unterstützt auch die Tageslichtführung ins Gebäude. Gemeinsam mit einem bestehenden Schuppen wird ein Ensemble eines bäuerlichen Anwesens, dessen Wohnhaus durch den Neubau ersetzt wird, im Konzept erhalten. Der Verbindungsgang zwischen dem Neubau und dem Bestand schafft eine Torsituation zwischen Zufahrtsbereich und privatem Grün. Der Ausbau des Hauses erfolgte teilweise in Eigenleistung. Viel Wert wurde auf baubiologisch gute Materialien gelegt (Korkwärmedämmung an den Außenwänden und am Dach, Holzkonstruktion, Holzfußböden mit Korkschrot bzw. Kokosfüllung usw. Der Baubestand wird als Garage und Lagerraum genutzt und wir konnten etwa 10 Jahre später (ähnlich dem ursprünglichen Konzept) den Bestand sanieren, eine Sauna und Nebenräume einrichten und einen weiteren Wintergarten zubauen. Direkt im Anschluss daran wurde ein Naturschwimmteich eingerichtet.
Projektnummer :155
Status :Bauten
Link :www.reinberg.net/155
Bauherr :Privat
Planung :Architekt Georg W. Reinberg, Lic. Arch. Martha Enríquez- Reinberg
MitarbeiterInnen :Martha Enriquez-Reinberg
Ort :St. Johann/Ternitz, Niederösterreich
Typ :Zubau, Sanierung
Funktion :Einfamilienhaus
Eigenschaften :Passive Solarnutzung, Aktive Solarnutzung
Baubeginn :1993
Fertigstellung :1994 + 200
Wohnfläche :173 m2