Gleisdorf, Gesellschaft und Ökologie, 60 WE sowie Büros, Geschäfte und Serviceeinrichtungen
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Drehbücher des Alltags WOHNSZENARIO 1 - SOMMER - ÄLTERER, GEBRECHLICHER HERR, WOHNT IM 1. OG DER 3:ZEILE Herr Mayer ist eben aufgestanden, hat die Fenster geöffnet und genießt den kühlen morgendlichen Luftzug durch die Wohnung. Er weiß, wenn er jetzt gut lüftet und tagsüber die Fenster geschlossen hält, dann kann er die Nachtkühle den ganzen Tag gut in seiner Wohnung halten. Durch das geöffnete Fenster beobachtet er die Schüler, die heute besonders aufgeregt tratschend zur Schule schlendern, und es fällt ihm ein: heute ist ja Zeugnisverteilung. Er sieht auch schon seinen Freund Ferdinand durch die Arkade der zweiten Zeile kommen und ruft ihm noch schnell nach, dass er ihm viel Erfolg für das Zeugnis wünscht und dieses auch wirklich gleich sehen möchte (und er freut sich, dass er schon vor Tagen das entsprechende Überraschungsgeschenk besorgt hat). Etwas wehmütig schaut er noch dem jugendlichen Jogger nach, der im Geschoß darüber seine Runden dreht, da er ja auch ganz gern noch so jung wäre. Er schließt die Fenster und fühlt sich - vom jugendlichen Jogger - animiert, heute doch wieder an der Dienstag-Morgengymnastik-Gruppe (in der Zeile 2 im 1. OG) teilzunehmen. Am Weg dorthin sieht er noch die letzten Schüler in der A. Grogger-Gasse davoneilen. Nach der Morgengymnastik muss sich Herr Mayer entscheiden: kocht er sein Frühstück selbst, geht er ins Café vorne an der Arkade beim Platz der Kulturen (wo er letztes Mal die sympathische Frau Müller getroffen hat) oder frühstückt er wieder im Gemeinschaftshaus, wo um diese Zeit die Bankangestellten jausnen? Er entschließt sich für letzteres, denn dort gibt es immer die interessanteren Gespräche (über Wechselkurse, Aktienkurse, usw.). Hier genießt also Herr Mayer seinen Kaffee und das Gebäck (das es hier immer frisch gibt). Danach macht er sich auf den Weg in den Ort - er muss nämlich noch Verpackungspapier für das Zeugnisgeschenk kaufen und auch noch Farbe (denn er hat ja versprochen, dass er am Nachmittag hilft, die Dekorationen für den „Schülerball\" im Gemeinschaftshaus (wo er gerade sein Frühstück beendet) herzustellen. Am Weg in den Ort trifft er noch seinen ehemaligen Kollegen, Herrn Karl, mit dem er für heute 3 Uhr eine Schachpartie vereinbart: und zwar im kühlen Schatten unter der Zeile 3 in „seiner Fußgängerzone\". Nach dem Spaziergang in den Ort - es ist schon fast 11 Uhr - muss er sich beeilen, denn er hat versprochen, in der Kindergruppe (in den Service-Räumen zwischen Zeile 2 und 3) seine Geschichte endlich fertig zu erzählen. Und beim Gang durch den Ort sind ihm ja wieder einige ganz lustige Dinge eingefallen und er wird wahrscheinlich wieder nicht mit „seiner\" Geschichte ganz fertig werden. Obwohl es beim letzten Mal einige böse Bemerkungen von den Jungen zu seinem Krückstock gegeben hat - so besucht er diese Kindergruppe doch ganz gern und er hat das Gefühl, er wird dort auch wirklich bewundert für all das, was er schon erlebt hat. Nach der Kindergruppe ist Herr Mayer müde - er verzichtet auf sein Sportprogramm, das Stiegensteigen, und fährt heute mit dem Lift zur Ebene seiner Wohnung. Hier findet er schon sein Mittagessen im Warmhalte-Behälter im Serviceschrank neben seiner Eingangstür (es wurde vom mobilen Alten-Service geliefert, das seinen Stützpunkt im Alten-Café seiner Wohnhausanlage hat). Nach dem Mittagsschläfchen wartet Herr Mayer auf seinen Freund Ferdinand am Laubengang vor seiner Wohnung. Komisch, als Schüler hat er sich nie viel aus dem Zeugnis gemacht, aber heute ist er doch etwas aufgeregt, wie das Zeugnis seines jungen Freundes wirklich aussehen wird. Aber es sieht gut aus und Ferdinand ist auch wirklich ganz begeistert vom Zeugnis-Überraschungsgeschenk und begleitet nun auch Herrn Mayer - diesmal über die Stiegen - zum Schattenplatz unter der Zeile 3 zur Schachpartie. Herr Mayer hat heute viel Erfolg beim Schach (etwas hat ihn allerdings auch die Zuschauerin, Frau Sigrid, beraten) und so gelingt es ihm, seinen unterlegenen Schachpartner zu verpflichten, auch bei den „Ballvorbereitungen\" zum Schülerfest heute Abend zu helfen. So basteln die beiden gemeinsam mit einigen jungen Leuten fleißig im Gemeinschaftsraum. Sein Abendessen nimmt Herr Mayer im „Büro der Alten\" ein und geht dann zum „Schülerfest\", wo er aber nur kurz bleibt, denn er fühlt sich schon etwas müde und morgen Vormittag hilft er ja wieder in der „Reparaturwerkstatt\" im Service-Center unter der 2. Zeile - wie jeden Mittwoch und Freitag. Und dafür möchte er gut ausgeschlafen sein: denn wieder diese Bewunderung zu bekommen, wenn er mit seiner Reparatur fertig ist, darauf freut er sich schon jetzt beim Einschlafen WOHNSZENARIO 2 - WINTER, MUTTER, ALLEINSTEHEND, 3 KINDER, WOHNT IN ZEILE 4 IM 2.OG Frau Huber steht heute früh auf. Sie genießt - trotz der vielen Arbeit in dieser Zeit - diese Stunde, bevor die Kinder wach werden. Sie macht auf dem Laubengang im Norden - trotz Kälte und obgleich es noch dunkel ist - ihre Morgengymnastik und freut sich über das ganz schwach über den Hügeln im Nord-Osten beginnende Morgenlicht. Anschließend erledigt sie die wichtigsten anstehenden Hausarbeiten und deckt den Frühstückstisch. Dann beginnt der wirklich schwierigste Teil des Morgens: die Kinder aus dem Bett zu bringen. Denn am kleinen Eislaufplatz in der „Fußgängerzone\" ihrer Wohnhausanlage gibt es seit Neuestem eine - von der Wohngemeinschaft „betreutes Wohnen„ installierte - Nachtbeleuchtung. Und da waren die zwei älteren Kinder gestern Abend einfach nicht weg- und ins Bett zu bringen. Als erstes kann sie die 8-jährige Tochter aufwecken; eigentlich nicht sie, sondern der Kater; der erbärmlich nach dem Frühstück miaut. Dieser gehört ihrer Tochter und sie geht - wie die Mutter feststellt - wirklich recht sorgfältig mit dem Tier um. Dann meldet sich die 1 ½ jährige Tochter aus dem Gitterbett und wirklich zu spät steht ihr Sohn Helmut (13 Jahre) auf. Zum Glück macht das Frühstück selbst nicht viel Arbeit: Milch und Gebäck liefert der mobile Altenservice vor die Türe (als Gegenleistung kocht Frau Huber einmal in der Woche im Club der Alten für den Club und die Kinder). Frau Huber schickt die Kinder zur Schule, räumt rasch auf, gibt die Wäsche in die Waschmaschine und holt dann noch die getrocknete Wäsche aus dem Trockenkeller (der liegt im Verbund mit dem Fernwärmeumformer im Keller und erspart so den elektrischen Wäschetrockner bzw. die fantastische Wäscheleine, die sie im Sommer zum Nachbarn in der 3. Zeile über die Fußgängerzone spannt). Leider kann sie den Tratsch dort mit dem jungen Herrn nicht wirklich beenden, da sie ihr kleines Kind nur ganz kurz alleine lassen möchte (außerdem ist ihr dieser Herr mit seinen ewigen Eheproblemgeschichten nicht wirklich sympathisch). Frau Huber ist - wie immer - in größter Eile. Sie muss noch ihr Kleinkind fertig machen, denn Frau Huber hilft jeden Tag von 11 bis 13 Uhr im Service Center für alternatives Geld: seit 2 Monaten gibt es diese Einrichtung, die mit alternativem Geld (das zunächst nur im eigenen Projekt „Gesellschaft und Ökologie\" gilt) versucht, die Leistungen aller Bewohner auszutauschen (z.B. für 1 Stunde Babysitten gibt es 10 „Gleisdorfer\", eine Milch- und Semmel-Zustellung kostet 3 „Gleisdorfer\", einmal im Altenclub kochen bringt 15 „Gleisdorfer\", einen neuen Zippverschluß einnähen lassen kostet 7 „Gleisdorfer\", usw.) und da gibt es viel zu organisieren und Frau Huber bastelt zur Zeit an einem entsprechenden Computerprogramm (bringt ihr übrigens, wenn es fertig ist, zusätzliche 75 „Gleisdorfer\"). Für die Zeit dieser Arbeit bringt sie ihre jüngste Tochter abwechselnd in die Kindergruppe (im Service Center beim 3. Hof) oder zu „Oma Riki\". Die alte Frau wohnt direkt unter ihr und freut sich über diese Besuche, jeden Tag wäre es aber, wie sie sagt, für eine derart alte Dame wirklich zu viel. Um 13:30 Uhr ist Frau Huber wieder mit ihrem Kleinkind in der Wohnung, kocht ein Mittagessen und wartet auf ihre beiden Schulkinder. Beide erscheinen nicht. Die Tochter kann sie durch das Fenster im 3. Hof erblicken, wo sie versucht, ihren Kater im Schnee einzugraben, der sich aber immer wieder - zum Gaudium der Herumstehenden - mit Begeisterung befreit. Ein Ruf über den Hof der „Fußgängerzone\" und ihre Tochter sitzt beim Mittagstisch. Mehr Probleme macht der Sohn: Frau Huber ruft (über die hausinterne Gegensprechanlage) bei Herrn Mayer an, bei dem ihr Sohn häufig zu Gast ist (um Schach zu spielen, Geschichten zu hören, etwas im Haushalt zu helfen, usw.), aber ihr Sohn ist nicht dort. Herr Mayer weiß aber, dass im Hof der Fußgängerzone vor seinem Fenster eine größere Gruppe Jugendlicher dabei ist, den Kopf eines fast 3 Meter großen Schneemannes fertig zu stellen, und er ermahnt vom Fenster aus den Jugendlichen, rasch nach Hause zu kommen. Beim Essen bespricht Frau Huber mit ihren Kindern die Möglichkeit, eine Achse der Nachbarwohnung (ca. 35 m²) dazuzumieten, da es in der eigenen Wohnung doch etwas eng ist. Den Nachbarn hat nämlich kürzlich seine Frau samt Kinder verlassen und die Wohnung ist ihm zu groß. Frau Huber hat auch schon die 420 „Gleisdorfer\" gespart, um die der „Bautrupp\" der betreuten Wohngemeinschaft die Wohnungstrennwand versetzen würde. Aber die höhere Miete macht noch Sorgen (der Sohn müsste jedenfalls in den kommenden Ferien im Service-Center der Alten einige „Gleisdorfer\" dazuverdienen). Der Sohn ist prinzipiell einverstanden, mag aber den Nachbarn nicht sehr gerne, da er stets viel zu lange mit seiner Mutter plaudern will. Die Kinder wollen sofort wieder hinaus in den Schnee der Fußgängerzone bzw. auf den „Eislaufplatz\". Frau Huber verweist auf die neue Beleuchtung und dass die Kinder keine Ausrede hätten, später aufs Eis zu gehen und zuvor die Hausübungen machen müssten. Die Tochter räumt den Tisch ab und setzt sich mit den Hausarbeiten an diesen, der Sohn zieht es vor, die Hausübungen bei Herrn Huber (er ist schon lange pensioniert, kann aber gut in Mathematik helfen) zu machen. Der Abend wird ein echtes Familienereignis: die beiden Schüler versuchen sich am Eis (Schlittschuhe verborgt die Reparaturwerkstatt) und das Kleinkind ist begeistert von den Schneeflocken im Gesicht und dem Schreien und Johlen der Kinder am Eis. Zum Glück kann sich Frau Huber in der Arkade unter der 2. Zeile unterstellen und wird nicht ganz nass, außerdem hat sie ein gutes Gespräch mit ihrem Nachbarn, der - aus der Arbeit kommend - bei ihr stehen geblieben ist: man einigt sich auf das Versetzen der gemeinsamen Wohnungstrennwand in der ersten Woche des kommenden Monats. Am Abend sehen die Kinder fern und Frau Huber lässt ihr Kleinkind bei den Geschwistern, da sie zu einer Veranstaltung ins Kloster geht. Um 10 Uhr abends erledigt Frau Huber den Rest der Hausarbeit, schaut noch kurz ins Internetcafé (ein Teil des Gemeinschaftssaales), während die größeren selbst zu Bett gehen. Erschöpft, aber zufrieden damit, so viel Möglichkeiten direkt in ihrer Wohnhausanlage zu finden, beginnt Frau Huber einzuschlafen. Allerdings bleibt ihr - und das macht ihr das Einschlafen etwas schwer - noch eine Sorge heute: ihr Sohn hat ihr nämlich nach dem Eislaufen erzählt, dass ihm das Projekt „Gesellschaft und Ökologie\", in dem sie wohnen, so gut gefällt, dass er Architektur studieren möchte. WOHNSZENARIO 3 - FRÜHLING, JUGENDLICHER AUS BETREUTER WOHNGEMEINSCHAFT Helmut wacht in seinem Zimmer (es befindet sich im 3. Geschoß seiner Wohngemeinschaft, die 14 Jugendliche sowie 3 Betreuer umfasst) auf und freut sich über die morgendliche Sonne, die durch das Fenster lacht. Er blickt stadtauswärts in die grüne Landschaft und freut sich über die blühenden Obstbäume (auch im kleinen Garten der Wohngemeinschaft blühen schon 2 Kirschbäume). Entsprechend dem schönen Morgen beschließt er, einen Rundlauf auf der horizontalen Erschließungsebene des 2. Obergeschosses zu machen (mit fantastischem Rundblick). Beim Café am Platz der Kulturen hat es verführerisch nach Kaffee gerochen und der Alten-Gruppe bei der Morgengymnastik im EG hat er etwas herablächelnd zugewunken. Letztlich hat er drei Runden gedreht (immerhin ca. 1000 Meter zurückgelegt) und er beschließt, sein Frühstück heute nicht in der Wohngemeinschaft (im EG gibt es den großen Gemeinschaftsraum mit dem süd-östlichen Garten) zu genießen, sondern ins „Büro der Alten\" zu gehen, wo es am Dienstag - wie heute - immer die selbstgebackenen Croissants gibt (dafür nimmt er in Kauf, den Abwasch zu übernehmen). Danach gibt es noch ein kurzes Gespräch mit dem Wohngemeinschaftsleiter, dann muss Helmut zu seinem Ausbildungsplatz, der bequem fußläufig im Ort zu erreichen ist. Trotzdem holt Helmut sein Rad aus dem Drahtkäfig unterhalb der 3. Zeile (er hat dort selbst an den Fahrradständern mitmontiert) und radelt zur Arbeit. Helmut kommt relativ früh nach Hause (17 Uhr) und setzt sich noch ins „Internetcafé\" (in Wirklichkeit ein Teil des Gemeinschaftssaales, den die Bank den Bewohnern ab 17 Uhr zur Verfügung stellt). Um 18 Uhr ist er aber pünktlich wieder im 3. Stock und hängt - mit einigen seiner Mitbewohnern - am Geländer; voller Erwartung, dass - wie immer - die schöne Marie mit ihrem schwarzen Hund durch die interne Fußgängerzone zum Lift schlendert und voller Hoffnung, dass sie ihn heute endlich bemerken wird (wenn nicht, ist es auch nicht so schlimm, in 7 Tagen gibt es ja im Gemeinschaftssaal den „Hausball\"). Für den Hausball muss allerdings noch geübt werden: nämlich mit Helmuts Band. Und deshalb begibt er sich - nach einem raschen Abendessen im Wohnraum seiner Wohngemeinschaft - in die Servicewerkstatt von Herrn Braun (dieser Pensionist repariert dort fast alles), weil die wurde seiner Band ab 20 Uhr zur Verfügung gestellt. Um Mitternacht kommt er wieder in seine Wohngemeinschaft und geht sogleich ins Bett. Beim Einschlafen denkt er sich noch: doch auch schade, dass es heute nicht geregnet hat - denn heute war eine große Veranstaltung im Kloster und da macht er bei Regen immer ganz gute Geschäfte mit seinem Regenschirmverkauf Ecke A. Grogger-Gasse - Rathausgasse im überdachten Bereich am Platz der Kulturen. Er möchte nun schnell einschlafen, denn morgen Abend hat er ein schwieriges Gespräch im Club der Alten: er (nicht er selbst) hat nämlich nach der Fete letzte Woche mit seiner Gruppe Jugendlicher in einen der neuen großen Pflanzentöpfe, die der „Altenverein\" jüngst aufgestellt hat, gepinkelt - und deswegen wird es nun morgen ein schwieriges „Konfliktgespräch\" geben.






