Timisuara Civiplex

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Städtebau / Architektur

Als wesentlichste Ansprüche wurden einerseits die limitierten Baukosten, die ein einfaches Bausystem verlangen, gesehen und andererseits der Anspruch des “Besonderen“. Als Lösung dafür wird ein einfacher Baukörper vorgeschlagen (gerade Wände, günstige Spannweiten, wenig Vor und Rücksprünge etc.). Eine Ausnahme stellt die Südwand dar: sie verläuft schräg zum sonstigen Gebäude und ist etwas geneigt: sie ist die repräsentative „Schaufassade“. Diese Schrägstellung ermöglicht mit einfachen Mitteln die Schaffung einer interessanten Bauform und es gelingt eine Orientierung der Südfassade zur Mittagssonne (Passive Solarnutzung).

Das Gebäude selbst wurde am Grundstück möglichst weit im Norden positioniert, um so mit seinem langen und schmalen Baukörper eine ungewöhnlich große und zusammenhängende Freifläche am Grundstück zu schaffen. In diese große Grün- und Freifläche öffnet sich die Südfassade auf großzügige Weise.

Das Gebäude beginnt an der Grundstücksgrenze zur Straße in Form von 2 Photovoltaikdächern (Parkplatz und Ladestation). Die Überdachung wird mit einem eingeschossigen Baukörper fortgesetzt, der in einem zweigeschossigen Baukörper endet. Der südlich vorgesetzte wintergartenähnliche Bau ist eineinhalb Geschoße hoch. Ein langer, schmaler Teich stellt eine Trennung zwischen Gebäude und Grünraum her und betont die Großzügigkeit der Anlage.

Der Zugang zum Gebäude erfolgt für die Fahrzeuge und die Fußgänger getrennt. Die Fahrzeuge können die bestehende Brücke benützen. Die Fußgänger verwenden eine eigene neue Fußgängerbrücke. Der Zugang der Fußgänger befindet sich auf dem Niveau des Erdgeschosses sodass der Zugang für die Fußgänger höher liegt als der für die PKWs und so eine gewisse „Souveränität„ bietet.

Die Fußbodenoberkante des Erdgeschosses befindet sich 50cm über dem bestehenden Gelände und kann über zwei Stufenanlagen oder eine behindertengerechte Rampe erreicht werden. Über einen Windfang gelangt man in das Gebäude. Eine höhere Aufständerung auf Säulen (zB. bis zu 1,20 Meter) wäre ohne Probleme herstellbar (siehe entsprechende Variante).

Den Besucher begrüßt eine Halle (die wie ein Atrium wirkt) und fast 2 Geschosse hoch ist.

Vom Bestand werden Teile erhalten. In diesem erhaltenen Teil sind das Sekretariat (weil guter Überblick zum Grundstückseingang, zur Eingangstüre und die große Halle) und ein Sozialraum untergebracht. Dieser Sozialraum kann zur Halle geöffnet werden. Zur direkten Belüftung besitzt er ein Oberlicht.

Der Eindruck der „Größe“ der Halle wird durch die südliche Verglasung verstärkt: so kann der Grünraum gut mit einbezogen werden. Dank dieser Öffnung in den Garten wird die Halle zum Erlebnisraum: die Jahreszeiten, das Klima und das Wetter können direkt erlebt werden. Dadurch werden das nachhaltige Konzept und der Respekt gegenüber der Natur betont (Firmen-Image). Diese Halle dient der Repräsentation, sie bietet Möglichkeiten des „get together“ und es können hier auch Veranstaltungen und Ausstellungen stattfinden. Die Halle kann  fallweise auch in das Großraumbüro des Erdgeschosses erweitert werden.

Das funktionelle Raumprogramm beschränkt sich auf zwei Großraumbüros und ein Testlabor. Diese Räume sind vorzüglich von Norden belichtet (mit abschattbaren Ost- bzw. Westfenstern ergänzt). Die Großraumbüros erhalten auch diffuses Licht vom Süden. So werden für die Computerarbeitsplätzte die bestmöglichen Arbeitsbedingungen geschaffen. Die „funktionellen“ Bereiche verfügen als Ergänzung über eine direkte Verbindungen zur großen Halle. Das Großraumbüro im Erdgeschoss ist großzügig zur Halle hin öffenbar. Das Testlabor kann ebenso wie der Technikraum direkt beliefert werden. Vom Großraumbüro im Obergeschoß kann man (über einen kleinen Aufentahaltsraum) auf eine Terrasse gelangen, sodass alle 3 Funktionsräume einen Ausgang ins Freie bieten. Ergänzt werden diese „funktionellen“ Räume mit allen nötigen Nebenräumen (WC, Sekretariat, Abstellbereiche, Technikraum, Müllraum, Batterieraum)

Die Schrägstellung der Südwand bietet durch das an der Innenlängswand ansteigende Dach eine ganz spezielle Gebäudeform und vergrößert durch seine (Schein-)Perspektive für den Eintretenden das Erscheinungsbild der „großen Halle“. Die großen einheitlichen Photovoltaikflächen die die Dächer bilden geben dem Gebäude darüber hinaus einen ganz speziellen Charakter der für die Zukunftsfähigkeit des Betriebes steht.

Photovoltaik-Paneele (PV) überdachen die PKW-Stellplätze.hier befindet sich auch eine attraktive, öffentlich zugängige Strom-Tankstelle als Demonstrationsprojekt. Die Parkplätze sind zur Straße hin durch Pflanzen abgedeckt und versteckt, der Demo- Ladeplatz soll zur Straße hin frei einsichtig sein.

 

Bautechnik

Das Gebäude wird auf Fundament-Pfeilern bzw. einer Fundamentplatte aufgeständert. Die Beton-Bodenplatte ist außenseitig gedämmt. Die Wände sind aus Beton, ebenso wie die Decke und das Dach ebenso wie die Mittelwand. Die Innenwände sind - abhängig vom Heizsystem - aus Gipskarton oder aus verputztem, massivem Material. Die Fußböden der Büros sind aufgeständert, sodass die Leitungs- und Luftführung hier einfach und flexibel erfolgen kann. Die Fenster entsprechen dem Passivhausstandard. (Holz-Alu mit 3-fach Verglasung). Die südliche Verglasung ist eine Glas-Metall-Konstruktion mit 3-fach Verglasung und hohem g-Wert. Die äußere Dachfläche besteht aus Photovoltaik-Elementen. Das Flachdach ist extensiv begrünt und begehbar.



Energiekonzept

Die Gebäudehülle entspricht dem Passivhausstandard. Eine kontrollierte Lüftung verfügt über eine Wärme- bzw. Kälterückgewinnung. Außenliegende Beschattungen vor den Ost- und Westfenstern schützen vor der Sommersonne. Südseitig bleiben die Verglasungen durch überstehende PV-Elemente im Sommer beschattet. Damit kann der Energieaufwand zur Klimatisierung des Gebäudes minimiert werden. Zur Wärme- und Kälteversorgung werden Tiefenbohrungen ausgeführt. So kann die Erdkühle des Sommers direkt und die Erdwärme des Winters über eine Wärmepumpe gewonnen werden. Zur Wärme- bzw. Kälteabgabe werden die Betonbauteile aktiviert bzw. werden Lehmputze und Gipskartonplatten aktiviert (integrierte Wasserschläuche). Pumpen werden mit dem auf den Dächern gewonnenen Solarstrom betrieben (bei guter Übereinstimmung des  Bürotages-bedarfs mit der Solarstrahlung). Stromüberschüsse werden vor Ort in Batterien gespeichert und können so in den Morgen- und Abendstunden genutzt werden. Die Photovoltaikanlage ist so ausgelegt, dass sie (über das Jahr gerechnet) den gesamten Energiebedarf des Büros decken kann und zusätzlich auch die Elektroautos versorgt werden können. Die PV Anlage soll das Gebäude möglichst weitestgehend unabhängig vom Stromnetz machen.

Da kein Kanalanschluss vorhanden ist wird eine biologische Pflanzenkläranlage errichtet. Ob der sich am Eingang befindliche Graben als Vorfluter verwendet werden kann muss überprüft werden.

 

 Erweiterung/ Flexibilität

Der einstöckige Baukörper kann relativ einfach im 2. Geschoss (ostseitig) ein weiteres Großraumbüro erhalten. In diesem Fall müssten die PV Elemente über den PKW Stellplätzen auf das Dach dieses neuen Bauteiles verlegt werden. Eine Erweiterung wäre auch durch Vergrößerung des Baukörpers in Richtung Osten (ein- oder zweigeschossig) leicht möglich.

Die Büros können beliebig unterteilt werden. Dank der unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten kann der Bau relativ leicht in 3 Teile unterschiedlicher Nutzung unterteilt werden.

 

Projektnummer :340
Status :In Planung
Link :www.reinberg.net/340
Planung :Architekt Georg W. Reinberg
MitarbeiterInnen :Martha Enriquez-Reinberg, Christine Potocnik
Ort :Timisuara Rumänien, sonstige
Typ :Neubau
Funktion :Bürogebäude
Eigenschaften :Photovoltaik, Kollektor, Wärmerückgewinnung, Bauteil aktivierung, Brunnenkühlung, Passive Solarnutzung, Aktive thermische Solarnutzung, Passivhaus, Umweltfreundliche Bauführung, Solar Aktivhaus, Innovative Gebäudetechnik, Wärmepumpe
Nutzfläche :621 m2